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Hochzeitsbräuche in Österreich Teil 1

Hochzeitsbrauch©dieHochzeitsplanerei
Mrz 02 2016

Hochzeitsbräuche in Österreich Teil 1

Teil 1 der Mini-Serie

Der Frühling naht und damit auch die Detailplanung des Hochzeitstages. Mit meiner neuen Mini-Serie möchte ich euch in die Welt der Hochzeitsbräuche entführen. Brauchtum muss nicht alt und langweilig sein. Es kann auch einer modernen, urbanen Hochzeit den gewissen Touch geben.

Bräuche rund um die Hochzeit gibt es seitdem es die Eheschließung gibt. Und das ist schon ziemlich lang. Diese Traditionen haben sich im Laufe der Zeit gewandelt. Manche sind ganz verschwunden, andere haben sich bis heute gehalten. Dies ist meiner Meinung nach aber ein gutes Zeichen. Wenn Bräuche modernisiert und an die heutige Zeit angepasst werden, bedeutet dies, dass noch immer auf Traditionen Wert gelegt wird.

Die Bedeutung und Herkunft der verschiedenen Hochzeitsbräuche variiert stark. Manche sollen das Böse fernhalten, andere sollen Liebe, Glück, Gesundheit oder Fruchtbarkeit hervorbeschwören. Es lässt sich nicht mehr bei jedem Hochzeitsbrauch nachvollziehen, woher er stammt und welche Bedeutung er hatte. Oft ist der Zweck auch heutzutage gar nicht mehr zeitgemäß. Trotzdem gehören diese Bräuche einfach zu Österreich.

Ich persönlich bin ein großer Fan von Brauchtum. Zu einem guten Stück spiegelt es einen Teil unserer Identität wieder. Und Bräuche müssen nicht immer verstaubt sein und nur zu einer ländlichen Hochzeit passen. Viele davon lassen sich wunderbar in eine moderne Hochzeit integrieren und neu interpretieren. Vor allem wenn man auch Gäste aus dem Ausland hat, kann ein Brauch ein wunderbarer Einblick in die österreichische Kultur sein.

Gerade in Österreich existieren noch viele alte Bräuche. Diese sind meist sehr regional und daher oft nur in dem jeweiligen Gebiet bekannt. Einige haben sich wiederum im gesamten Land durchgesetzt und die bekanntesten davon möchte ich euch gerne vorstellen.

Teil 1 meiner Serie startet mit den Hochzeitsbräuchen, die vor der Eheschließung stattfinden.

 

1. Die verschiedenen Rollen: Was sind ihre Aufgaben bzw. was ist das überhaupt?

Brauteltern
Den Brauteltern kommt in Österreich traditionell eine relativ bedeutende Rolle zu. Für die Brautmutter beginnt eine Hochzeit schon lange vor der eigentlichen Feier. Sie steht ihrer Tochter bei der Auswahl von Brautkleid, Blumenschmuck und Frisur zur Seite. In Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark ist sie außerdem die Gastgeberin beim Brautwecken am Hochzeitstag. Der Brautvater ist derjenige, der traditionell seine Tochter zum Altar geleitet, die Tischrede hält und den ersten Tanz nach der offiziellen ersten Tanz des Brautpaares mit der Braut begehen darf.

Trauzeugen
Den Trauzeugen kommt eine der wichtigsten Rollen bei einer Hochzeit zu. Mit ihrer Unterschrift bezeugen sie (standesamtlich nicht mehr notwendig) die Rechtmäßigkeit der Eheschließung. Im Idealfall sind sie aber auch verlässliche Ansprechpartner für das Brautpaar was die Vorbereitungen der Feier betrifft. Jedoch sind die Aufgaben der Trauzeugen je nach Region in Österreich sehr unterschiedlich.

Zubraut/Zubräutigam
Vor allem in Oberösterreich, Kärnten, Tirol und der Steiermark kann man mit dem Begriff Zubraut etwas anfangen. Der Titel Zubraut gilt für die erste und damit wichtigste Brautjungfer. Damit erhält sie nicht nur eine verantwortungsvolle Aufgabe von der Braut übertragen, sondern hat auch einen großen Auftritt bei der Hochzeit. Das gleiche gilt für ihr männliches Pendant. In einigen Gebieten in Österreich geleitet der Zubräutigam die Braut und die Zubraut den Bräutigam. Eine weitere wichtige Aufgabe kommt den beiden zu: wird die Braut gestohlen, muss der Zubräutigam sie auslösen. Wird der Bräutigam gestohlen muss die Zubraut für die Getränke aufkommen.

Beistand
Die Trauzeugen werden in der Steiermark und in Kärnten auch als Beistand betitelt. Ihnen kommen auch dieselben Aufgaben zu. In Oberösterreich hingegen wird als Beistand die Mütter oder Väter des Brautpaares bezeichnet, wenn diese auch Trauzeugen sind.

Brautjungfern/Kranzlbräute
Die Brautjungfern werden in Österreich Kranzlbräute genannt. Und diese gibt es womöglich schon weitaus länger als das amerikanische Pendant. Schon Kaiserin Elisabeth hatte bei ihrer Hochzeit eine Schar an Kranzlbräuten. Zum einen sollte es dazu dienen, dass keine der Damen am Hof beleidigt war. Zum anderen galten die Kranzlbräute dem Aberglauben nach zur Ablenkung böser Geister von der Braut (was oder wen man nun als „bösen Geist“ definiert, ist hier offen gelassen ;))

2. Brautbüscherl

Brautbüscherl gibt es mittlerweile in fast jeder erdenklichen Form und Art. Die Bedeutung haben jedoch alle gleich: sie sollen die Gäste als geschlossene Gruppe darstellen und sie festlich schmücken. Üblicherweise werden sie von den Brautjungfern vor dem Kircheneingang ausgeteilt und am Revers befestigt. Dem Brauch entsprechend tragen unverheiratete Hochzeitsgäste das Büscherl links. Verheiratete Gäste tragen ihr Brautbüscherl rechts. Das Büscherl des Bräutigams ist dabei wesentlich größer und festlicher gestaltet als die der Gäste.

 3. Brautaufwecken und Hochzeitsschießen

Eine Braut muss traditionell in Salzkammergut, Tirol und der Steiermark am Hochzeitstag schon früh aus dem Bett. Mit Sonnenaufgang kommen Nachbarn und Freunde um die Braut unsanft aus dem Schlaf zu wecken. Mit Schüssen (durch Schützen natürlich) oder Böllern wird die Braut sozusagen „gegrüßt“. Außerdem sollen durch den Lärm böse Geister vertrieben werden. Waren es früher die ledigen Männer, die die Braut aufweckten, sind es heute gemischte Gruppen. Heutzutage sollte man allerdings die Anrainer und auch die Gemeinde über das Vorhaben verständigen.

4. Hochzeitsbläser

Vor allem im Hausruckviertel sind die Hochzeitsbläser mit ihrer fröhlichen Musik immer noch unverzichtbar. Jeder Programmpunkt der Hochzeitsfeier wird von ihnen lautstark angekündigt und begleitet. Mit passenden Liedern vom „Brautlied“ beim Brautholen am Morgen bis hin zum „Rausschmeißer“ zum Ende der Feierlichkeiten begleiten Sie die Hochzeitsgesellschaft den ganzen Tag.

5. Abholen der Braut

Dieser Brauch streckt sich über fast alle Bundesländer Österreichs. Die Braut wird am Tag der Hochzeit von ihrem Elternhaus abgeholt. Heute hat sich der Brauch dahingehend gewandelt, dass meist der Bräutigam mit seinen Kranzlbräutigamen seine zukünftige Ehefrau von daheim abholt. Er fährt bereits mit dem geschmückten Hochzeitsauto vor und hat auch traditionell den Brautstrauß dabei. Gemeinsam mit der Braut geht es dann Richtung Standesamt oder Kirche. Dieser Weg führt in vielen Gebieten Österreichs meist nicht direkt ans Ziel. Auf der Strecke warten Freunde und Anrainer, um dem Brautpaar den Weg zu versperren. Das Brautpaar muss anhalten, aussteigen und eine erteilte Aufgabe lösen. Dazu gehört beispielsweise mit einer Säge gemeinsam einen Ast durchsägen. Danach wird auf das Brautpaar angestoßen. Erst danach kann die Fahrt fortgesetzt werden.

 

Nächsten Donnerstag geht’s hier weiter mit Teil 2 meiner Miniserie zum Thema Hochzeitsbrauchtum:
Bräuche am Tag der Hochzeit!

 

Herzlichst, eure

Unterschrift©Magdalena Maas-Vavra

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