Search:

Hochzeitsbräuche in Österreich Teil 2

Hochzeitsbrauch©dieHochzeitsplanerei
Mrz 14 2016

Hochzeitsbräuche in Österreich Teil 2

Teil 2 der Mini-Serie

Im ersten Teil der Mini-Serie „Hochzeitsbrauchtum“ ging es vor allem um Bräuche, die vor der eigentlichen Eheschließung stattfinden. In diesem Teil habe ich ein paar Bräuche zusammengesammelt, die sich rund um die Eheschließung und die Hochzeitsfeier drehen.

 

1. Der Gang zum Altar

Wer die kirchliche Hochzeit als Teil seiner Eheschließung wählt, der ist meist im Glauben verhaftet. Von Region zu Region sind jedoch die Bräuche, wie man in die Kirche einzieht, unterschiedlich. In manchen Gegenden zieht man direkt vom Standesamt kommend als Ehrenzug in die Kirche ein. Das Brautpaar geht hier bereits gemeinsam als Ehepaar. In anderen Gegenden ziehen oft auch als erstes die Gäste ein und anschließend das Brautpaar. Immer mehr setzt sich aber die amerikanische Variante durch, in der der Brautvater seine Tochter zum Altar bringt.

2. Blumen streuen

Beim Verlassen der Kirche werden häufig Blütenblätter auf den Weg gestreut. Damit wünscht man dem Brautpaar, dass der gemeinsame Lebensweg wie ein Spaziergang durch einen wunderschönen Blumengarten wird. Außerdem steht die Blüte auch für Fruchtbarkeit und Kindersegen. Man sollte vorab jedoch klären, ob das Streuen von Blumen erlaubt ist.

3. Spalier stehen

Das Spalierstehen für das Brautpaar beim Auszug aus der Kirche symbolisiert den ersten gemeinsamen Weg durch ein Hindernis. Außerdem soll es zeigen, dass Freunde und Familie immer für das Brautpaar da sind.

4. Die Agape

Nach der offiziellen Zeremonie wird mit der Agape der ungezwungenere Teil der Hochzeitsfeierlichkeiten eingeläutet. Traditionell serviert man nun eine kleine Stärkung, die sogenannte Agape. Diese ist für das Brautpaar eine gute Möglichkeit durchzuatmen und sich mit den Gästen zu unterhalten, die zum Abendprogramm nicht mehr geladen sind. Es wird hier bereits gratuliert und Geschenke werden überreicht. Hält man es ganz traditionell, darf bei einer Agape nur Brot, Salz und Wein gereicht werden. Grund dafür ist die Bedeutung des Begriffs „Agape“ im katholischen und evangelischen Glauben, wo er für ein gemeinsames Mahl in einem Gottesdienst steht. Vor allem in Kärnten und Oberösterreich wird auf diese Tradition noch immer großen Wert gelegt.

5. Festessen

In vielen Regionen Österreichs steht bei der Ankunft des Festzugs bei den Räumlichkeiten der Feierlichkeiten bereits der Wirt mit Brot und Salz in der Hand bereit. Zum einen als Geste des Respekts, zum anderen symbolisch für das zukünftige Leben des Brautpaares, in dem es nie an Essen und Würze fehlen soll. In Kärnten wiederum ist der Besuch der Braut in der Küche unerlässlich. Ihr alleine kommt die Aufgabe zu, die Suppe höchstpersönlich zu salzen.

6. Anschneiden der Hochzeitstorte

Allgemein bekannt und verbreitet ist das Wissen darum, wer beim gemeinsamen Anschneiden der Hochzeitstorte die Hand oben haben „muss“. Dem gehört der Tradition nach auch die Entscheidungsmacht in der Ehe. Das ist allerdings nicht das einzige Hindernis, dass es beim Anschneiden zu beachten gilt. Es soll niemals die Torte von ganz oben oder auch ganz unten angeschnitten werden. Das soll Unglück bringen. Das erste Tortenstück gehört dem Brautpaar und wird auch von ihnen gemeinsam gegessen. Danach sind die Gäste dran. Auch ihnen soll das Verspeisen der Hochzeitstorte Glück bringen.

7. Brautwalzer

Der Walzer wird seit Jahrhunderten getanzt und hat sich aus dem Volkstanz entwickelt. Heute ist er – zumindest in Österreich – der meistgetanzte Gesellschaftstanz. Dabei hat er seine große Bedeutung wahrscheinlich von seiner Wirkung geerbt. In der Regel wird die Tanzfläche von Braut und Bräutigam eröffnet. Die Etikette sieht vor, dass der Bräutigam nach dem Tanz mit der Braut seine Schwiegermutter auffordert, der Vater des Bräutigams darf mit der Braut tanzen. Erst danach ist die Tanzfläche für alle Gäste eröffnet.

8. Brautstehlen

Heiß diskutiert wird der Brauch des Brautstehlens. Er ist nicht immer beliebt, wird aber meist trotzdem gelebt. Diese Tradition ist in Österreich weit verbreitet. Der Ursprung befindet sich wahrscheinlich im Mittelalter. Damals war es üblich, dass die Obrigkeit das Recht auf die erste Nacht mit der Braut hatte. Eine Überlieferung besagt, dass eine vor Mitternacht gestohlene und bis Mitternacht nicht wiedergebrachte Braut von dieser Regelung ausgenommen ist. Mittlerweile wird meist nicht nur mehr die Braut von Freunden gestohlen, sondern auch der Bräutigam. In ländlichen Gegenden kann dies mitunter sehr heftig ausfallen. Die Braut wird geschnappt und in eine nahe gelegene Lokalität entführt. Im neuen Lokal wird dann schließlich getanzt, gesungen und getrunken. Alle konsumierten Getränke sind dann vom Zubräutigam beim Abholen zu bezahlen. Vom Bräutigam darf aber nicht sofort reagiert werden. Erst nach einiger Zeit bricht er auf, um seine Braut zu holen. Dabei ist es in vielen Gegenden Pflicht, dass die Hochzeitsbläser den Bräutigam begleiten. Das Stehlen nach Mitternacht ist strengstens verboten.

9. Brautschuh versteigern

Das Versteigern des Brautschuhs ist in Österreich sehr beliebt. Es trägt unter anderen dazu bei, die Kassa des Brautpaares aufzufüllen. Wie bei einer Auktion wird von den Hochzeitsgästen mitgesteigert. Der Brauch sieht allerdings vor, dass das letzte Gebot beim Vater, Trauzeugen oder Bräutigam liegt. Denn nur mit einem freigekauften Schuh kann er die Ehre seiner Tochter bzw. Ehefrau hoch halten.

10. Brautstraußwerfen

Das Brautstraußwerfen ist wohl der bekannteste Hochzeitsbrauch der Welt. Und bei einigen auch der unbeliebteste. Alle Single-Frauen auf einer Hochzeit hassen es, die bereits Verheirateten sind schadenfroh. Wenn zum Brautstraußwerfen aufgerufen wird, müssen die alleinstehenden Damen hinter der Braut Aufstellung nehmen. Die Braut wirft den Strauß nach hinten über ihre Schulter und im besten Fall sollte er von einer dort aufgestellten Damen gefangen werden. Meist landet er aber mit großem Sicherheitsabstand mitten am Boden. Der Brauch sagt, dass die Fängerin die nächste vor dem Traualtar sein wird. Mittlerweile wird dafür aber nicht mehr der echte Brautstrauß verwendet, sondern ein etwas kleineres Duplikat (kein Wunder, wenn ihn keiner fangen will).

 

Nächste Woche geht’s hier weiter mit Teil 3 meiner Miniserie zum Thema Brauchtum:
Bräuche nach der Hochzeit

 

Herzlichst, eure

Unterschrift©Magdalena Maas-Vavra

Zum Nachlesen:

Teil 1: Hochzeitsbräuche vor der Hochzeit

Share Post